Mittwoch, 6. September 2017

Meine Cousine Rachel - Freiheitsliebende Frau oder miese Mörderin?

Eine Filmkritik von Tina Stadlmayer

Rachel Weisz als Cousine Rachel. Die Männer liegen ihr zu Füßen. / Copyright 2017 Twentieth Century Fox


Als "Kostümfilm mit einem feministischen Dreh" hatte das Londoner Time Out Magazin den Film "Meine Cousine Rachel" angekündigt. Das machte mich neugierig und ich wurde nicht enttäuscht. Die britisch-amerikanische Schauspielerin Rachel Weisz ist als Cousine Rachel selbstbewusst, freiheitsliebend, betörend und unnahbar. Ihr Gegenüber, Sam Claflin als Philip, ist ein unsicherer, unbeherrschter, misstrauischer und total verknallter junger Landadeliger.



Der Film macht es den Zuschauerinnen zunächst leicht, sich mit der schönen und selbstsicheren Rachel zu identifizieren und sich über den trotteligen Philip zu amüsieren. Doch nach und nach schleichen sich Zweifel ein. Ist sie vielleicht doch eine fiese Betrügerin, die ihren Ehemann vergiftet hat? Die attraktive Frau - eine habgierige Verbrecherin? Das wäre natürlich kein feministischer Dreh...

Dieser Zwiespalt macht den auf den ersten Blick sehr konventionellen Kostümfilm spannend. Obsessive Beziehungen und schillernde Persönlichkeiten sind die Spezialität der Autorin Daphne du Maurier, auf deren Roman der Film basiert. Du Maurier hat auch die Vorlagen für Alfred Hitchcocks Filme "Die Vögel" und "Rebecca" geliefert. Sie verbrachte viel Zeit auf dem Landsitz ihrer Familie in Cornwall und hat dort die Ideen zu dem düsteren Roman "Meine Cousine Rachel" entwickelt. Das Buch ist 1951 erschienen, bereits ein Jahr später wurde es von Henry Koster mit Olivia de Havilland und Richard Burton in den Hauptrollen verfilmt. Das Remake von Regisseur Roger Michell ist vielschichtiger und mutiger, als das Werk aus den 50er Jahren. "Es geht um die Sexualität und die Wünsche einer Frau", beschreibt Hauptdarstellerin Rachel Weisz den Film. "Rachel hält es für eine entwürdigende Idee, dass ein Mann sie retten will."

Die Handlung spielt im England des 19. Jahrhunderts. Wie der Roman wird auch der Film aus der Perspektive des jungen Landadeligen erzählt. Philip ist Waise und wächst in der Obhut seines Onkels Ambrose in Cornwall auf. Eines Tages reist der Onkel nach Italien, um dort eine Krankheit auszukurieren und heiratet dort - für Philip völlig überraschend - seine entfernte Cousine Rachel. Kurz darauf stirbt Ambrose und Philip entdeckt Hinweise, dass sein Onkel von Rachel vergiftet wurde. Plötzlich taucht die Cousine auf dem Landgut in England auf, Philip will sich an ihr rächen, aber er kann sich ihrer Attraktivität und Verführungskünste nicht erwehren.

Ob es ein feministischer Film ist, muss jede selbst entscheiden. Es ist auf jeden Fall ein wunderbarer Film für alle, die dramatische Inszenierungen und wohligen Grusel mögen. Rachel Weisz arbeitet übrigens bereits an ihrem nächsten Film: Die Geschichte von Margaret Ann Bulkley, die Männerkleider trug und unter dem Namen James Barry im viktorianischen England als Militärarzt arbeitete.

Der Film "Meine Cousine Rachel" kommt am 7. September in Deutschland in die Kinos.

In zwei Wochen stellt Magdalena Köster "Schloss aus Glas" vor, der am 21.9. ins Kino kommt.

 

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