Freitag, 26. Juni 2015

Tim Hunt und die einseitige Geschichtsschreibung

Symbolbild Wissenschaftlerin - auch Marie Curie passt zum ironischen Meme #distractinglysexy. (Bild: Wikimedia)

Man sagt, die Sieger schrieben die Geschichtsbücher. Im Fall des 72jährigen Wissenschaftlers Tim Hunt trifft das offenbar nicht zu. Denn einerseits scheint er derzeit der Verlierer zu sein. Immerhin verlor er kürzlich seine (unbezahlte) Honorarprofessur am University College London und beschwert sich nun, man habe ihn "komplett im Stich gelassen". In einer Sache, die er sich komplett und ohne Not selbst eingebrockt hat: Seine Tischrede bei einem von koreanischen Wissenschaftlerinnen ausgerichteten Mittagessen enthielt eine Reihe sexistischer Äußerungen.

Andererseits wiederholen seriöse Medien nun unhinterfragt Hunts nachträgliche Behauptung, seine Tischrede sei nur schräger Humor gewesen.

Freitag, 15. Mai 2015

Mit "Dave´s darlings" zieht mehr soziale Kälte ins Kabinett Cameron ein

Die konservative Daily Mail präsentiert Amber Rudd, Penny Mordaunt, Liz Truss und Priti Patel. Foto: Stadlmayer

Drei neue Frauen hat Tory-Premierminister David Cameron nach der Wahl in der vergangenen Woche in sein Kabinett geholt und schon schreibt der "Guardian" von "Dave´s darlings". Die "Daily Mail" beschreibt die Kabinettsumbildung dagegen als "Sieg der Vernunft". Insgesamt gehören dem Kabinett jetzt zehn Frauen und zwanzig Männer an. Bis vor der Sommerpause gab es nur drei weibliche Kabinettsmitglieder. Als Cameron 2014 drei weitere ernannte, spottete die Presse, der Regierungssitz in der Downing Street sei jetzt „No. 10 Catwalk“. Seitenlang beschäftigten sich die Boulevardzeitungen im Sommer 2014 mit den Outfits der neuen Ministerinnen. Ein Dauerbrenner sind auch die Berichte über die angeblich zu teuren und geschmacklosen Klamotten von Innenministerin Theresa May. Über teure oder häßliche Politiker-Anzüge berichten die Zeitungen dagegen nie. 

Freitag, 8. Mai 2015

Weltweite Beobachtung der Medien - Männer haben die dreifache Chance, ihren Namen zu lesen

 Gemälde von Max Liebermann, 1890  Neue Pinakothek München

Und wieder einmal habe ich mitgezählt. Seit der Weltfrauenkonferenz in Peking 1995 schauen weltweit Frauengruppen an bestimmten Stichtagen kritisch auf die Medien. "Wie steht es um die Präsenz der Frauen?" 2010 lag der Anteil der Frauen, die entweder als Journalistin berichteten oder in einem Bericht namentlich zitiert wurden, gerade mal bei 23 Prozent. Noch liegen keine genauen Zahlen für 2015 vor. Doch erste Eindrücke der Mitmacherinnen aus dem Journalistinnenbund lassen darauf schließen: Es ist wie auf dem obigen Bild. Mühsam geht es den Berg hinauf.

Dienstag, 5. Mai 2015

Hebammen: Wie viele Geburten im Jahr sind machbar?

Willkommen im Leben: Ein Blick auf die Arbeit der Hebammen 2015. Foto: USAF, public domain

Am heutigen 5. Mai ist internationaler Hebammentag. Und die Situation der Gebärenden und der Hebammen ist - auch wenn man es nicht mehr hören mag - weiterhin desolat: Haftpflichtprämien von jährlich rund 5.100 Euro für die Geburtshilfe (ab kommendem Sommer rund 6.300 Euro); womöglich bald gar keine Verlängerung dieser Haftpflichtversicherungsverträge; und als Tropfen auf das volle Fass sollen bald Hausgeburten schon bei der kleinsten Abweichung von der Bilderbuch-Schwangerschaft ausgeschlossen werden.

Was bisher geschah: Vor einem Jahr habe ich zum Hebammentag 2014 durchgerechnet, was die stetig steigende Haftpflichtprämie für die Hebammen bedeutet und wie der Vergütungsausgleich aussieht, von dem der GKV-Spitzenverband (der Dachverband der deutschen Krankenversicherungen) spricht.

Mein damaliges Fazit: Eine Beleghebamme muss 100 Geburten pro Jahr begleiten, damit die 2014 gestiegene Versicherungsprämie durch die gestiegene Vergütung abgefangen wird. Ich fand das unrealistisch viel.

Was ich damals versäumt hatte: Meine Rechnung dem GKV-Spitzenverband für eine Stellungnahme vorzulegen. Das habe ich nun nachgeholt und eine umfassende Antwort erhalten.

Donnerstag, 30. April 2015

Knochenarbeit: Bekenntnisse einer Teilzeit-Archäologin

Die Autorin bei der Ausübung ihrer bevorzugten Arbeit. Foto: Brigitte Laschinger (alias die Chefin)

Wenn ich morgens kurz nach sechs aus dem Haus gehe, sehe ich wohl nicht aus, wie man sich allgemein eine Journalistin vorstellt. Dann trage ich Arbeitshosen (nur in Männergrößen erhältlich), irgendein T-Shirt, das ich schon längst hätte ausmustern sollen, und eine dicke Schicht Sonnencreme, um acht oder mehr Stunden unter freiem Himmel zu trotzen.

Freitag, 24. April 2015

Wessen Internet - Genderhass statt Debattenkultur



Feministinnen mundtot machen - Caroline Criado-Perez berichtet von Hass-Attacken im Internet.
Foto: C. Olderdissen



Die Zunge an die Tischkante zu nageln mutet wie eine mittelalterliche Methode an, um Frauen zum Schweigen zu bringen. Die britische Journalistin Caroline Criado-Perez hat das krasse Bild gewählt, um ihren Vortrag in der Friedrich-Ebert-Stiftung zu Hassattacken gegen Feministinnen im Internet zu illustrieren. Denn kaum wagt eine Frau - und gelegentlich auch ein Mann - sich zu Geschlechterverhältnissen in einem Blog, auf Facebook, Twitter oder anderen Social-Media-Kanälen zu äußern, wird sie mit Hass und Häme überschüttet - mit einem einzigen Ziel: Halt die Klappe.

Mittwoch, 22. April 2015

Nicola Sturgeon: Gute Königin oder gefährlichste Frau Britanniens?

Britische Zeitungen berichten über die Vorstellung des SNP-Wahlmanifests. Foto: Stadlmayer

In Großbritannien ist Wahlkampf und die Medien haben einen neuen Star erkoren: In höchsten Tönen preisen sie Nicola Sturgeon, schottische Ministerpräsidentin und Vorsitzende der Scottish National Party (SNP). Nach der Vorstellung des SNP-Wahlmanifests schwärmte der linksliberale Guardian:  "Es war die Krönung von Königin Nicola." Der Herald lobte: "Nicola Sturgeon ist die stärkste Kraft innerhalb der britischen Linken." Die Huffington Post nannte sie "die mächtigste Politikerin seit Maggie". Und der Fernsehsender ITV fasste zusammen: "Journalisten und Kommentatoren waren sehr beeindruckt." Was ist da passiert?